Posted am Dienstag, 08 August, 2006 um 13:01 von Holger
Ständig ersinnt die Suchmaschine Google neue Dienste. Die meisten Neuentwicklungen scheitern.
Wer für Tagträume bezahlt werden will, sollte bei Google anheuern. Jeder Mitarbeiter der Suchmaschinenfirma darf 20 Prozent seiner Arbeitzeit damit
verbringen, neue Ideen fürs Web zu erfinden. Die besten Dienste können Surfer online testen. "Starte früh und häufig", beschreibt Google-Managerin Marissa
Mayer ihre Strategie. "Früh, häufig und fehl" wäre präziser: Die 31-jährige Vizepräsidentin für Produktmanagement räumte jüngst ein, dass bis zu 80
Prozent, also fast alle ihrer Neuentwicklungen, Bruchlandung erlitten.
Als Misserfolg muss Mayer zum Beispiel den Instant-Messenger Google Talk verbuchen. Diesen Nachrichtendienst, mit dem zwei Surfer wie im Chat miteinander
reden, startete Google vor knapp einem Jahr. Das Urteil der US-Marktforscher ComScore Media Metrix ist vernichtend: Microsofts Messenger zieht 50-mal mehr
Nutzer an.
Froogle dümpelt vor sich hin
Auch mit Orkut, das ein globales virtuelles Netzwerk werden sollte, konnte Mayer ihre Ziele nicht erreichen. Die Community, in der Surfer Kontakte pflegen
und neue Freundschaften knüpfen, gründeten die Suchexperten im Januar 2004 - nur knapp sechs Monate nachdem die Konkurrenz Myspace online ging. Während
Myspace heute mehr als 80 Millionen Menschen aus aller Welt miteinander verbindet, treffen sich auf Orkut überwiegend Lateinamerikaner, mehr als zwei
Drittel der etwa 21 Millionen Mitglieder stammen aus Brasilien.
Die Ursache des Scheiterns sehen Experten wie Paul Kedrosky, Risikokapitalgeber bei Ventures West Management, in "Googles mangelhafter Produktdisziplin".
Zwar werfe Mayer jedes Jahr viele neue Dienste auf den Markt, entwickle diese aber nicht weiter. Die Produktsuchmaschine Froogle dümpelt beispielsweise
schon seit vier Jahren in der Testphase vor sich hin.
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